Mein Leben mit Hashimoto (Frank.)

Vondma

Mein Leben mit Hashimoto (Frank.)

Hallo Vanessa,

dein Buch ist echt toll und für jeden verständlich geschrieben. Ich wäre froh gewesenwenn ich so etwas vor 7 Jahren gehabt hätte. Wie du und viele andere musste ich mir alles selbst zusammensuchen und Tag für Tag für meine Gesundheit kämpfen. Gegen den Widerstand der Ärzte und Leuten die alles gleich in die Psycho-Ecke schieben.

Ich bin 46, heiße Frank (ja, einer der wenigen Männer mit Hashi) und erfreute mich bis vor 7 Jahren bester Gesundheit. Beruflich und privat war alles in bester Ordnung. Ich trieb gelegentlich Sport und brachte mit meinen 180 cm immer etwa 75kg auf die Waage. Ich konnte essen was ich wollte und war jeden Tag guter Dinge. Doch 2006 wurde alles anders…

2005 hatte ich einen schweren Bandscheibenvorfall mit Lähmung des linken Beins. Wodurch ich arbeitsunfähig wurde und fast 6 Monate mit Tabletten und Physiotherapie versuchte, die Schmerzen und die Bewegungsfähigkeit meines linken Beins wieder herzustellen. Mein damaliger Hausarzt meinte fälschlicherweise, es sei ein Hexenschuss und entkrampfende Mittel in Kombination mit Schmerzmitteln würden ausreichen. Eine Überweisung zu einem Orthopäden wurde erst mal abgelehnt. Erst 10 Tage nach dem eigentlichen Bandscheibenvorfall wurde von einem Orthopäden die richtige Diagnose gestellt. Erst 9 Monate später war ich wieder fit. Bis Anfang 2006 hatte ich jedoch schon 8-9 kg zugenommen. Was ich dem fehlenden Training und Sport zuschrieb.

Ab Mai 2006 war ich plötzlich nicht mehr ich selbst. Ich war morgens immer müde, schlief abends um 21 Uhr im Sitzen ein und hatte immer öfter Kopfschmerzen/Migräne. Im Mai kamen dann noch massive Gelenkschmerzen dazu. Mal waren es die Fingergelenke, zwei Tage später war das Knie entzündet. Zu dem kamen noch innere Unruhe, hoher Puls und zittrige Hände. Insgesamt ging es mir einfach schlecht. Mein Hausarzt meinte, ich wäre gestresst und würde mich da in was reinsteigern. Ein ordentlicher Urlaub war seine
Empfehlung.

Am 2. Tag auf Malle hatte ich dann nach einem Essen (Fischplatte) einen Kreislaufkollaps und kam in die Notaufnahme. Dort ging man neben dem Kreislaufproblem von einer Panikattacke aus und gab mir für den Rest des Urlaubs heftige Beruhigungsmittel und meinte, ich sollte mich daheim von meinem Hausarzt mal durchchecken lassen. Der fand immer noch nichts und schicke mich zu einem Psychiater. Beruhigungsmittel und Antidepressiva in höheren Dosen sollten es nun richten. Aber die Gelenkbeschwerden breiteten sich weiter aus. Ich hatte innerhalb eines Jahres fast 20 kg zugenommen, und mein ganzer Körper war massiv aufgeschwemmt. Da mein Hausarzt immer noch ratlos war, wechselte ich Ende 2006 zu einem anderen Allgemeinmediziner. Der machte ein kleines Blutbild und fand auch nichts. Sein Rat war, doch mal eine Diät zu machen. Woraufhin ich gekränkt und enttäuscht nochmals den Arzt wechselte.

Mein neuer (3.) Hausarzt seit 2007 ist ein junger Arzt. Nach einem unauffälligen großen Blutbild und durch die Vielzahl der Symptome war er ratlos und überwieß mich an das Uniklinikum in Aachen. Dort machte man ein Ganzkörpersinthigram und nahm fast 120 Blutwerte (aber kein TSH). Außer 4 entzündeten Gelenken fand man aber nichts Auffälliges. Mein Hausarzt meinte nun Borreliose könnte die Ursache für die Gelenkbeschwerden sein. Ich bekam drei Monate lang täglich Infusionen mit Antibiotika. Während der Behandlung auch mit Erfolg. Danach ging alles wieder in den schlechten Ausgangszustand.

Der Durchbruch kam, als der Arzt meinte, man könne ja noch ein paar Werte bestimmen lassen, die standardmäßig nicht zum großen Blutbild gehören. Einen Tag später rief er mich an: Ich hatte einen TSH von 18,2! Für eine genauere Ursachenklärung wurde ich sofort an einen Schilddrüsenspezialisten überwiesen. Dort stellte man dann Hashimoto Thyreoiditis fest, und mich mit L-Thyroxin 100 auf einen TSH von 1,5 ein. Mein Befinden war aber immer noch von Kopfschmerzen und Müdigkeit stark eingeschränkt. Die Ärztin meinte, alle Werte seien OK. Ich müsse ich mich daran gewöhnen. Aber es könne ja auch noch andere Ursachen geben…

Nach Stunden und Tagen in verschiedenen Foren und nach 3 verschiedenen anderen Schilddrüsen-Spezialisten, die alle der Meinung, waren meine Werte seien OK, habe ich dann in Düsseldorf einen Endokrinologen gefunden, der meinte, er würde nicht nur Laborwerte zur Beurteilung ran ziehen, sondern das Wohlbefinden des Patienten sei das Ziel. Und: Er würde mal einen Versuch mit einem Kombipräperat (Prothyrid) machen wollen.

Seit September 2007 nehme ich dieses Kombipräperat und fühle mich an 90% der Tage wieder ganz normal. Seitdem habe ich keine Gelenkbeschwerden mehr, kein Herzrasen/-stolpern mehr, schlafe wieder gut…kurzum alles wieder im Lot. Nur wenn ich etwas mit
Jod esse (Fisch) oder die Dosierung verändere, treten die Symptome wieder für kurze Zeit auf.

Ich habe inzwischen verschiedene Vitamin- und Mineralstoffpräparate getestet. Selen vertrage ich zum Beispiel gar nicht, D3 hat einen sehr positiven Effekt und B12 nehme ich, da mein Endokrinologe meint, der Wert sei deutlich erniedrigt.

Als Rat kann ich jedem nur geben, sich niemals in irgend eine Ecke abschieben zu lassen. Leider muss man sowohl bei der Arztsuche, als auch beim Einstellen der Medikamente extrem ausdauernd sein, und jeder muss für sich die Dinge finden, die ihm/ihr gut tun. Ich freue mich heute sogar wieder, Gewicht abgenommen zu haben. Mit etwas Sport und reduzierten Kohlehydraten sind es schon 12 kg weniger als zu meiner schlimmsten Zeit.

Am Ende ist alles gut…und wenn noch nicht alles gut ist, dann istauch noch nicht am Ende.

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